Warum jetzt der richtige Zeitpunkt zum Campen ist

Der Duft von Kaffee im Freien. Tau auf dem Zeltdach. Die ersten Vogelstimmen, bevor der Campingplatz erwacht. Kennst du das noch – oder ist es zwanzig Jahre her?
Vielleicht warst du noch nie campen. Vielleicht warst du früher oft unterwegs, mit dem Zelt deiner Eltern oder dem ersten eigenen Wohnwagen – und dann kamen Job, Kinder, Alltag dazwischen. Jetzt ist wieder Platz. Zeit. Und eine Frage steht im Raum: Lohnt sich das noch?


Kurze Antwort: mehr denn je.

Camping:Damals und heute


2005 zählte das Statistische Bundesamt 21,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen. 2025 waren es 44,7 Millionen – ein Rekord und mehr als doppelt so viele. Dabei zählt die amtliche Statistik nur Plätze ab zehn Stellplätzen. Wer auf kleinen Plätzen oder privaten Stellflächen übernachtet, taucht darin gar nicht auf. Die tatsächliche Zahl dürfte also eher höher liegen.


Ehrlich sein gehört aber auch dazu: Günstig ist es nicht mehr automatisch. Eine Übernachtung auf dem Wohnmobilstellplatz kostete 2025 laut Statistischem Bundesamt rund 32 Prozent mehr als 2020, die Campingplatzgebühr knapp 29 Prozent mehr. Für die Planung hilft ein Richtwert: Die ADAC Camper-Studie 2026 nennt ein durchschnittliches Gesamtbudget von 910 Euro pro Erwachsenem und Woche, das sind rund 102 Euro pro Tag. Das ist ein Durchschnitt über alle Camper, vom Zelt bis zum Mobilheim. Dein eigener Wert kann deutlich darunter oder darüber liegen.

Camping in Zahlen


Wie groß die Camping-Zielgruppe ist, zeigt die ADAC Camper-Studie 2026 (Befragung im Juni und Juli 2026, 4.371 Screening-Interviews mit Personen ab 16 Jahren). Danach zählt inzwischen jeder Vierte, nämlich 25 Prozent, zur Camping-Zielgruppe. Hochgerechnet sind das rund 17 Millionen Menschen. 2023 waren es noch 21 Prozent.


Für dich ist die Altersverteilung interessant. In der Gruppe der 16- bis 39-Jährigen gehören 39 Prozent zur Zielgruppe, bei den 40- bis 59-Jährigen sind es 26 Prozent, bei den über 60-Jährigen 11 Prozent, unverändert zu 2023. Camping ist in deiner Altersgruppe also keine Randerscheinung, aber auch kein Massenphänomen.


Ein Befund aus der ADAC-Studie 2023 fällt trotzdem auf: Obwohl Menschen über 60 unter den Campern insgesamt unterrepräsentiert sind, ist in dieser Gruppe der Anteil der „Enthusiasten“ am höchsten. Gemeint sind Camper, die sich selbst als passioniert bezeichnen und häufiger verreisen als der Durchschnitt. Wer in dieser Altersgruppe campt, tut das also oft mit besonders viel Leidenschaft.


Auch im Ruhestand ist Camping beliebt. Laut einer Auswertung der ARAG auf Basis von Statista-Daten waren 2023 rund 11 Prozent der Camping-Urlauber zwischen 60 und 69 Jahre alt, knapp 7 Prozent 70 Jahre oder älter. Gut 13 Prozent der Rentner, Pensionäre und Vorruheständler gaben an, am liebsten zu campen.


Die Gruppe ab 40 ist dabei sehr unterschiedlich: Manche stehen mitten im Berufsleben, andere sind längst im Ruhestand. Diese Artikelserie geht deshalb nicht von einem Klischee aus, sondern von dem, was für dich als Einsteiger oder Wiedereinsteiger praktisch relevant ist – egal, ob du dich gerade eher wie 45 oder wie 65 fühlst.

Zwei Wege, ein Ziel


Vielleicht gehörst du zu denen, die noch nie ein Zelt aufgebaut haben. Alles ist neu, alles wirft Fragen auf: Welches Fahrzeug passt? Welche Ausrüstung brauchst du wirklich? Wo darfst du überhaupt stehen?
Oder du gehörst zu denen, die vor zwanzig, dreißig Jahren campiert sind – als Studentin mit Rucksack, als junge Familie mit dem ersten Kombi. Seitdem hat sich einiges verändert. Solaranlagen statt Gaslampe. Campingplatz-Apps statt ADAC-Karte im Handschuhfach. Auch für dich lohnt sich ein Blick, was heute anders läuft.


Beide Wege führen zum selben Ziel: Diese Artikelserie begleitet dich dahin, ohne Umwege über Dinge, die du nicht brauchst.

Ein Sturm, zwei Heringe, viel Fluchen


Ich habe Camper erlebt, die beim ersten kräftigen Wind dachten, ihr Zelt fliegt bis nach Dänemark. Es flog nicht. Es hat gehalten – mit zwei zusätzlichen Heringen und einigem Fluchen. Am nächsten Morgen: Kaffee, Sonne, alles gut.


So ist das beim Camping oft. Es sieht dramatischer aus, als es ist. Die meisten Anfängerfehler sind unangenehm im Moment und Anekdote am Lagerfeuer eine Woche später.

Was deine Erfahrung beim Einstieg wert ist


Du bringst etwas mit, das jüngeren Campern oft noch fehlt: ein realistisches Bild vom eigenen Komfortbedürfnis und Erfahrung im Organisieren. Und falls dein Führerschein vor dem 1. Januar 1999 ausgestellt wurde, kommt ein handfester Vorteil beim Fahrzeug dazu: Die alte Klasse 3 erlaubt Wohnmobile bis 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse, mit der heutigen Klasse B sind es 3,5 Tonnen. Was für Anhänger gilt und was beim Umtausch in den Kartenführerschein zu beachten ist, klären wir im Führerschein-Artikel [Link zum Führerschein-Artikel einfügen]. Bei Unsicherheit hilft dir deine Fahrerlaubnisbehörde. Merk dir aber schon jetzt: Das ist kein Nachteil deines Alters, sondern ein Bonus, den du kennen solltest.


Dazu kommt ein Aspekt, der über die Praxis hinausgeht. Die ARAG-Experten nennen als Vorteile des Campings für Ältere, dass frische Luft und die Ruhe der Natur entspannen, das Wohlbefinden fördern und Stress reduzieren, und dass Spaziergänge oder Radtouren fit halten. Zur Ehrlichkeit gehört auch der Hinweis der ARAG: Camping kann weniger komfortabel sein als ein Hotel. Wer gesundheitliche Einschränkungen oder chronische Erkrankungen hat, sollte vor der Reise einen Gesundheitscheck beim Arzt machen.


Für viele ist Camping in diesem Lebensabschnitt keine Notlösung und kein Verzicht, sondern genau die Mischung aus Ruhe, Bewegung an der frischen Luft und Abstand vom Alltag, die sie suchen.


Was dich erwartet


Keine Hochglanz-Abenteuer, keine 08/15-Packliste von der Stange. Sondern ehrliche Antworten auf die Fragen, die sich vor der ersten Fahrt stellen – und die, die erst unterwegs auftauchen. Welches Fahrzeug passt zu dir? Was kostet der Einstieg wirklich? Wo darfst du stehen, wo nicht? Was tust du, wenn’s mal nicht nach Plan läuft? In den kommenden Artikeln bauen wir das gemeinsam auf – vom ersten Fahrzeugtyp bis zur Reise ins europäische Ausland.


Camping ist kein Wettbewerb. Niemand zählt, wie oft du unterwegs bist, wie teuer dein Wohnmobil ist oder wie perfekt dein Aufbau sitzt. Was zählt: Du gehst raus. Und du weißt, was du tust.


Fangen wir an.

Die nächsten Artikel zu dieser Serie folgen in den nächsten Tagen.

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